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Fussball WM, Scheinheiligkeit und Fairness

Fussball ist das einfachste Spiel der Welt: Jeder betrügt und jeder wird betrogen, doch am Ende war's der Schiedsrichter!

Nach dem fragwürdigen Platzverweis von Valon Behramy beschwert sich die Fussballschweiz über die widerfahrene Ungerechtigkeit. Der Zorn richtet sich gegen den Schiedsrichter einerseits und gegen den sich theatralisch fallenlassenden Gegenspieler Arturo Vidal.

Schiedsrichterentscheide sind Tatsachenentscheide und daran will die FIFA richtigerweise festhalten, auch wenn im Nachhinein unzählige Kameras nach mehrfacher Konsultation selten einen Fehler nachweisen können, meistens nicht mal eindeutig. Es bringt also nichts, sich wegen des Schiris aufzuregen, auch wenn die Frage, ob man wirklich Exoten zu Gunsten der Länderquote aufbieten soll, berechtigt ist (das ist übrigens so, seit ich Fussball Weltmeisterschaften verfolge...).

Anders sieht es mit dem Verhalten der Spieler aus. Valon Behramy und die meisten Schweizer Spieler sind keine Kinder von Traurigkeit. Sie haben alle auch schon Fehlentscheide des Unparteiischen mittels Theatereinlagen provoziert und Erfolg damit gehabt. Welch grosse Helden die im Chile Match Betrogenen bei jenen Gelegenheiten jeweils waren und sind. Die ganze Fussballschweiz findet das dann Ordnung und verteilt meistens sogar Lob dafür. Genauso hatte ganz Brasilien am doppelten Handspiel des Torschützen Fabiano gegen die Elfenbeinküste nichts auszusetzen, im Gegenteil. Oder denken Sie an das Barragespiel Frankreichs gegen Irland zurück, als Superstar Thierry Henry die Hand zu Hilfe nahm und sich die Blauen in Extremis, aber durch sportlichen Betrug für die WM qualifizieren konnten (Maradonas Hand Gottes von der WM 1986 lässt grüssen). Aber um welchen Preis? Der ganze aktuelle Skandal um Frankreichs Mannschaft hätte vielleicht nie stattgefunden, wenn Henry damals anstatt zu jubeln dem Schiri selber gesagt hätte, er habe die Hand genommen. Kurzfristig hätte das niemand verstanden, langfristig wäre er damit endgültig zum Star geworden.

Welche Scheinheiligkeit! Alle schimpfen und beklagen sich und alle freuen sich über den Erfolg nach einem nichtgeahndeten Regelverstoss. Wie weit sind wir gekommen, dass wir uns über solche Betrügereien noch freuen können?

Was tun, anstatt sich permanent aufzuregen, wenn man erfolgreich übers Ohr gehauen wird? Es bei nächster Gelegenheit mit gleichen Mitteln zurückzahlen? Damit leben und nicht gleich eine Staatsaffäre daraus machen, weil es eh alle tun? Oder nach neuen Lösungen suchen?

Was wäre denn ein Ehrenkodex für Fussballstars und Clubs? Jeder Spieler und auch die Vereine verpflichten sich zur Selbstanzeige beim Schiedsrichter unmittelbar nach dem Vorfall, wenn dieser den Betrug nicht bemerkt bzw. einen Fehlentscheid trifft, den der Spieler selber korrigieren könnte. Die vielen Kameras, die jede Bewegung, jeden Griff an und in die Hose, jedes Offside, jede Mimik und Geste minutiös nachweisen, würden im Nachhinein zeigen, dass der Spieler ehrlich war, sich sportlich korrekt verhalten hat und die so oft zitierte und missbrauchte Fairness ehrlich gelebt hat. Für die Vereine und Nationalmannschaften würde sich derlei Verhalten langfristig auszahlen, denn endlich gäbe es keine gestohlenen Siege und keine ungerechten Niederlagen mehr (abgesehen von seltenen Fehlentscheiden der Referees, deren Arbeit aber bedeutend einfacher würde). Spieler, die sich nicht an diesen Kodex halten, schaden ihrem eigenen Image und damit ihrem Vertragswert - sie würden geächtet und von den Spielfeldern ferngehalten. Was für ein Meilenstein in der Geschichte des Fussballs: Endlich geht es auf den Plätzen fair zu und her.

Und nebenbei könnten sich die Spieler im Falle eines Sieges wieder ehrlich freuen. Auf diese Art würde König Fussball plötzlich wegweisend für eine bessere Moral und Ethik in unserer Gesellschaft, weil der Zweck die Mittel eben nicht mehr heiligt. Vielleicht könnten sich die Banker bald einmal ein Stück von den ehrlichen Fussballern abschneiden.

 

 

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09. Oktober 2011, 17:29:36