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Natürliche Gerüche, echte Kühe und Licht

So sprach der Gast zum Gastgeber: 

Kennst du den fantastischen, natürlichen Geruch von Heu und Emd, der Gebirgsföhre, der feuchten Erde nach dem Regen oder das Parfum der Bergblume? Auch das sind eure Angebote für uns Gäste im Bergtal. Du brauchst mitnichten ein Esoteriker zu sein, um all diese natürlichen Trümpfe erriechen, erschmecken, erschnuppern und fühlen zu können. Klar doch, dumme Frage, ich bin ja der Einheimische, wirst du jetzt sagen. Ich als Gast nehme das jedoch oft anders wahr.

Zu oft lässt du dich vom deformierten Touristiker anstecken, der sich selber als Fachmann versteht. Nur damit  lässt sich erklären, warum du uns Gästen hier in den Bergen alles so gestalten willst, wie wir es bei uns in den Städten schon zum Überdruss haben: Action, Lärm, stinkige Luft und Schnelle.

Sei mutig, lieber Gastgeber und akzeptiere nicht alles, was die Touristiker dir empfehlen und aufdrängen. Die Natur und ihre Gaben sind vertrauenswürdiger und nachhaltiger als neue Skilifte ins künftige Wintergrün der Alpen. Arbeite und entwickle mutig mit deiner Überzeugung an euren Qualitäten und der Natur. Die Zukunft wird es uns allen lohnen und auch euch Gastgebern eine hohe Lebensqualität erhalten.

Bringe uns Gästen deinen persönlichen Alltag bewusst näher. Es gibt auch in unserem Land bereits heute schon Kinder, die haben noch nie eine lebendige, wahrhaftige Kuh gesehen. Ich meine damit nicht, dass nur die Kühe der Berglandwirtschaft unseren Kindern die Zukunft retten. Nein, mein lieber Gastgeber, aber unsere Gebirgstäler und  -dörfer avancieren immer mehr zu Tankstellen des Lebens, zu Zufluchts- und Energieorten, die für unser Land und unsere Bevölkerung immer wichtiger werden.

Weisst du überhaupt, was ihr sonst noch alles habt? Nehmen wir das Licht: Die Wanderung durch die Nacht in Obhut und Sicherheit des Bergführers, die Ruhe auf dem Berg. Die Sterne am Himmel über dem Bergtal, eine reine Pracht, der Mond im Kommen und Gehen, das Warten auf die Sonne, die Sonne über den Bergen aufgehen sehen, das erleben, wirklich erleben. Wunderbar.

Ja, tragt auch Sorge zum Licht! Sorgen heisst, auch in der dunklen Nacht Sorge tragen. Lasst keine Lichtverschmutzung zu, wie wir das im Unterland haben, wo jede Reklame ohne Grund die ganze Nacht leuchtet und die Strassenlampen die Quartiernacht zum Tag erhellen, so dass Sterne nicht mehr klar sichtbar sind und die „Tagtiere" keine Ruhe mehr finden.

(Ende der Serie "Gast und Gastgeber")

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09. Oktober 2011, 17:29:36